Abflug Stuttgart 10.40h über Wien nach Tirana

Seit Tagen macht AirBerlin negative Schlagzeilen. Zuerst Insolvenz, dann springt die Bundesregierung mit einer Bürgschaft ein und garantiert den Weiterbestand der Airline für drei Monate. Auf einmal streiken die Piloten, zahlreiche Flüge werden gestrichen. Wieso betrifft uns das? Wir fliegen beide Male mit Austrian Airlines, aber, jetzt kommt das große Fragezeichen, der Weiterflug von Wien nach Tirana wird von Airberlin ausgeführt. Wir checken stündlich das Internet. Gestern flog die Maschine pünktlich nach Tirana. Keine gegenteilige Auskunft ist von der Airline zu erhalten. Haben wir Glück? Allerdings nicht auf der Autobahn. Kaum haben wir einen Kilometer Richtung Flughafen Stuttgart zurückgelegt, bremsen uns die roten Rücklichter auf drei Spuren. „Hast du die Verkehrslage nicht überprüft?“ „Doch“, antwortet mein Mann. Ich frage misstrauisch: „Und wann?“  Als ich aufgestanden bin.“ „Wann bist du aufgestanden?“  „Um sechs Uhr.“ Inzwischen ist es neun Uhr und ich frage fassungslos: „Später nicht mehr?“ Mein Mann antwortet nicht und ich ziehe mein Handy heraus. Googlemaps zeigt einen Stau bis Ludwigsburg-Nord an. „Wir hätten die B27 über Bietigheim nehmen können, um dann…“ Ich breche ab. Ich hätte persönlich die Verkehrssituation überprüfen können. Habe ich aber nicht. Faulheit? Vertrauen? Die Frage ist müßig. Wir stehen im Stau. „Übrigens ist auch die Autobahn vom Engelbergtunnel bis zum Flughafen rot“, meine ich seufzend. Aber das war ja auch die große Unsicherheit bei der Planung. Sehr früh losfahren und dann am Flughafen warten? Oder das Risiko eines Staus in Kauf nehmen? Ich bin immer für Risiko. So stehen wir im Stau. Langsam, manchmal im Schritttempo, kommen wir voran und irgendwann am Flughafen an. „Setz mich mit den Koffern am Eingang der Abflughalle ab und parke das Auto. Ich warte dann dort.“

Einmal habe ich die Koffer bis zum Check-in-Schalter gebracht, nur um darauf hingewiesen zu werden, dass mein Mann beim Einchecken anwesend sein muss. Ich warte also und warte. Es ist windig und kalt. Ich mache 10 Schritte vom Gehsteig durch die Drehtür und warte. Langsam wird es zeitlich gesehen eng. Gerade als ich meinen Mann anrufen will, klingelt das Handy. Er ist aufgeregt: „Wo zum Teufel bist du?“ „Genau da, wo du mich abgesetzt hast, nur innerhalb des Gebäudes. Wo bist du?“ „Ich habe dich nicht gefunden und…“ Orientierung war und ist schon immer sein Problem gewesen. „Wo bist du?“  „Am Austrian Airline-Schalter.“  „Bleib da, ich komme hin.“

Flughafen Stuttgart, 14°, Regen

Wir haben bereits zu Hause im Internet eingecheckt und müssen nur noch das Gepäck loswerden. Das geht ganz schnell. Die Polizeikontrolle passieren wir im Sauseschritt, dann haben wir die Möglichkeit bei der Sicherheitskontrolle den Schalter links oder rechts zu nehmen. Ich entscheide mich für rechts. Vor uns ein junges Paar mit vielleicht einjährigen Zwillingen und demnach einen Zwillingsbuggy. Schnell wird klar, dass sie mit dem Buggy nicht durchkommen, der muss woanders gescannt werden. Die Sicherheits-Crew diskutiert und fordert einen weiteren Mitarbeiter an, der das Scannen des Buggys mit dem Vater erledigen soll. Relativ schnell ist er da und mit dem Vater und dem Buggy weg und hinterlässt einen laut weinenden Zwilling, der sich verzweifelt auf dem Boden windet. Den zweiten Zwilling hat die junge Mutter auf dem Arm. Sie soll sich auf dem Körperscanner positionieren. Dort steht man mit gegrätschten Beinen und ausgestreckten Armen – ich kann immer nicht anders, ich schneide eine Grimasse! Sollen übrigens 80% der Personen machen!!  Das Kind soll sie derweil absetzen. Denken die Leute die Zwillinge werden dann einzeln und alleine auf den Scanner krabbeln und sich in Position stellen? Einer nach dem anderen? Die Situation muss völlig neu für die Mitarbeiter sein, sie diskutieren eifrig. Zögernd frage ich: „Könnte ich vielleicht schnell durch?“  Der Angestellte ist verblüfft: “Nein, erst muss die Mutter den Scanner passieren.“  Ich hebe den weinenden Zwilling auf, der, da ich ihm fremd bin, noch verzweifelter zu weinen beginnt und drücke ihn seiner Mutter in den freien Arm. Sie bedankt sich leise. Endlich kommen die Mitarbeiter zu einer Lösung: Die Mutter soll mit beiden Kindern über den Bereich des Scanners gehen und wird anschließend händisch überprüft. Erleichtert verlassen wir den Sicherheitsbereich. Unser Boarding läuft bereits. Die Reise hat begonnen. Erst hier?

Nach 50 Minuten landen wir in Wien-Schwechat. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint und ich bin noch am rätseln: War es das Schloss Schönbrunn und die Gloriette oder das Schloss Belvedere, das ich gesehen habe? Nach der Landung rollen wir mit dem Flugzeug um das Ankunftsgebäude. Ich erkenne kaum noch eine Airline am Design. Sogar Austrian Airline habe ich anders in Erinnerung. Swissair und KLM sind die einzigen, die aussehen wie früher. Die Maschinen landen und starten im Minutentakt. Immer abwechselnd. Eine startet, eine landet. Kaum hat das Flugzeug die Halteposition erreicht, springen viele Fluggäste auf, öffnen die Handgepäck-Boxen, ergreifen hektisch ihre Taschen und Rucksäcke und drängen nach vorne, zum Ausgang. Aber sie kommen nicht weit.

Landung in Wien-Schwechat

Ich bleibe sitzen. Aus Prinzip. Schließlich fliegt das Flugzeug nicht mit mir weiter, oder doch? Die Flugzeugtür geht nicht auf. Nach einigen Minuten kommt die Durchsage einer Flugbegleiterin und erklärt, dass es ein kleines technisches Problem gäbe. Nach einiger Zeit meldet sich das Cockpit mit ‚der „Finger“ sei zu tief und die Position ließe sich nicht verstellen‘ zu Wort. ‚Es wären Busse angefordert worden…‘  Die Busse bringen uns nach einer längeren Fahrt zu einem Gate. Von dort geht der Stress für mich los. Wo startet die Maschine nach Tirana? Eine Angestellte steht neben der geöffneten Tür und winkt, nach Fragen der Fluggäste, Richtung einer Anzeigentafel. Wir stehen in einer großen Menschentraube und versuchen die nötige Information zu finden. Ich entdecke am unteren Ende TIRANA und die Gate-Nummer – G31.  Mein Mann wird nervös. „Wir haben nur 20 Minuten bis zum Boarding.“ Die Massen strömen eilig eine breite Treppe hoch. Ich entdecke am Ende des Ganges eine kleine Rolltreppe. Erleichtert betrete ich sie. Es ist warm. Außen sind es 26‘ und innen nicht viel weniger. Nach 3 Rolltreppen und einigen Gängen haben wir den Bereich G erreicht.  Aber ich muss auf die Toilette. „Jetzt nicht“, meint mein Mann. „Doch“, sage ich, „das muss sein.“ Ich benutze nie die Flugzeugtoilette. Mag ich einfach nicht. In der Damentoilette ist wie immer eine Warteschlange…

Die Gate-Nummern beginnen bei 1. Natürlich! Beim Rückflug, als wir fast 3 Stunden Aufenthalt haben, geht der Flug nach Stuttgart von Gate 1 ab! Aber so ist es immer, nicht wahr? Trotz zweier Förderbänder, die in weiten Entfernungen angebracht sind, bin ich völlig außer Atem, als wir das Gate erreichen. Und nicht zu früh. Das Boarding hat bereits begonnen. Im Flugzeug sitzen wir dann 15 Minuten und warten auf die Starterlaubnis!

Flugzeit 1.20 Min. So kurz? Das Wetter ist traumhaft, der Himmel wolkenlos, die Sonne scheint. Die Landschaft ist klar erkennbar. Wir rätseln: Neusiedlersee? Balaton? Mein Mann meint, das wäre doch dasselbe. „Nein“, sage ich, „der Balaton ist genauso groß, aber viel tiefer in Ungarn. Nach einiger Zeit meint mein Mann die Smartphones dürften wieder benutzt werden. Ich verfolge den Flug auf Googlemap. Leider gibt es ja nicht mehr die Bildschirme, auf denen die Flugroute durch ein sich bewegendes Flugzeug dargestellt wurde und auch der Kapitän meldet sich nicht mehr mit Sätzen wie diese: „Auf der rechten Seite sehen sie…“

der Neusiedlersee?

Wir fliegen über eine eindrucksvolle Berglandschaft. Dann meine ich den Koman-Stausee zu erkennen, wo ich unbedingt hin will.

der Koman-Stausee?

Wir nähern uns Tirana vom Meer her.

Tirana empfängt uns mit Sonne und 32°. Im Flughafengebäude gibt es automatischen WLAN und ich schaue fassungslos auf die Meldung: „Sehr geehrter Vodafone-Kunde, Sie haben Ihr Limit von 50 EUR (zzgl. USt.) für Datenservices im Ausland erreicht. Wenn Sie diese bis zum Ende Ihres aktuellen Abrechnungszeitraums weiterhin nutzen möchten, antworten Sie mit Ihrem Kundenkennwort per SMS. Ihr Vodafone-Team“. Mist, ich habe vergessen, die mobilen Daten auszuschalten. Ärgerlich und dumm.

Tirana Airport ist übersichtlich und die Albaner sind sehr freundlich. Es gibt 3 Schalter für Einheimische und 3 Schalter für Ausländer bei der Passkontrolle. Die drei Schalter für die Einheimischen werden nur von einer Handvoll Leute aufgesucht. Bei den anderen drei bilden sich lange Schlangen. Nach kurzer Zeit dürfen wir auch an diesen Schaltern unsere Pässe zeigen. Für Albanien braucht man als Tourist, wenn man nicht länger als 3 Monate bleiben will, kein Visum. Das Gepäck wartet schon auf uns. Schnell haben wir den Schalter der Autovermietung gefunden, denn die Halle ist klein und übersichtlich. Lächelnd und mit ein paar Sprachproblemen, die jungen Männer radebrechen in Englisch, werden wir zu unserem bestellten Auto gebracht.

Ich versuche, unserem Vermieter unsere Ankunft per SMS mitzuteilen, aber das Simsen funktioniert nicht. Wir haben uns, angestiftet von meiner Tochter, bei Airbnb eine Privatunterkunft gebucht. Im Zentrum von Tirana. Ich melde mich kurz telefonisch. Die Frau des Vermieters verspricht in einer halben Stunde am Objekt zu sein.

Wir müssen nur noch hinfinden…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s